Rheinische Postillione

Mein Gott, habe ich da was verpasst? Wurde die AfD doch nicht zur Wahl zugelassen? Blockieren jetzt Altparteidiener den Eintritt zum Parlamentssaal? War all die Aufklärungs- und Oppositionsarbeit der vergangenen Jahre vergebens? Werden wir jetzt behandelt wie die letzten Hunde vor der Metzgerei?

Dann auf Seite B8 die Erleichterung: Nichts von alledem. Es handelt sich nur um ein paar Funktionäre von Schützenvereinen, die ihren Senf von sich gegeben haben. Allerdings einen Senf ganz nach Geschmack der Regierenden: https://rp-online.de/nrw/panorama/bhds-schuetzen-distanzieren-sich-von-afd_aid-62311797

Liebe Leute, das muß  man sich mal vergegenwärtigen: Da hagelt  es Schimpf und Schande nach einem verlorenen Krieg in Afghanistan.  Über fünfzig Soldaten (Soldatinnen waren Gottseidank nicht darunter) sind gefallen und unsere Regierung hat es schlichtweg verpennt, die Hilfskräfte rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Die Volksseele kocht vor Wut und Scham. Zugleich legt hier in Deutschland eine Kleinstgewerkschaft den Zugverkehr lahm. Das Land spaltet sich in Geimpfte und Ungeimpfte; es finden Selektionen statt: Ungeimpfte, Ungetestete haben keinen Zutritt!

Aber was macht die RP: Schreibt auf Seite Eins über Schützenvereine! Offensichtlicher kann man sich kaum als Provinzblatt die Blöße geben!

Aber es ist ja Wahlkampfzeit und da macht die schon ganz  auf schwarzgrün eingefärbte RP-Redaktion kräftig mit: Hauptsache, gegen die AfD.

Dabei ist Sache paradox: Gerade die Schützenvereine sind bekannt für das Hochhalten traditioneller Tugenden. Mit Gender-Gaga, Geschlechterquoten oder gar Ramadan im Schützenfestzelt hat die von kernigen Männern dominierte Truppe nun wirklich nichts am Hut: Die Schützen sind eigentlich das typische Klientel einer wertkonservativen Partei wie der AfD. Als solche stehen sie  misstrauisch beäugt unter besonderer Beobachtung von den selbsternannten Tugendwächtern der politischen Korrektheit.  Möglicherweise gibt es da sogar  private Chatgruppen, in denen Anstößiges verbreitet wurden? Man weiß ja nie und Denunzianten finden sich immer.

Dem Ganzen wollten nun die Funktionäre des Dachverbandes den Wind aus den Segeln nehmen: Pfui, mit der AfD haben wir nichts am Hut! Der Obrigkeit und der ihr zugetanen Presse gefällt dieses Bekenntnis. Aber ist das auch im Sinne der Mitglieder? Ich bin mir sicher: Es gibt auch standfeste Schützenbrüder.

Und noch ein Aspekt: Bekanntlich wurden auch die Traditionsvereine durch den von der Regierung angeordneten Lockdown schwer gebeutelt. Keine Schützenfeste, keine Einnahmen. Wie ich aus eigener Ratsarbeit weiß, werden solche Vereine in diesen Zeiten durch die lokale Politik gesponsert. Eine alte Volksweisheit: „Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing“.  Fast alle sind käuflich und Funktionäre sind besonders anfällig.

Am Dienstag war für die Rheinische Post die Welt dann wieder in Ordnung: Laschet und Merkel lachend in vergnügter Stimmung im herzlichen Einvernehmen. In der linken Ecke (wo sonst?) dazu ein süffisant grinsender Habeck. Politpropaganda vom Feinsten mitten im Wahlkampf, made by Rheinische Post.  

Ach ja: In dieser Woche erschien in der RP auch eine ganzseitige Werbeanzeige der Bundesregierung. So ein Inserat  kostet einige Zigtausend. Nicht aus der Parteikasse, sondern Steuergeld. – Noch Fragen?

 

Autor: hansberndulrich

born 1950, university degree in mathematics, physics. Interested in all topics of natural science, history, politics and economics

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