RP erfindet alternative Fakten zu Trump

„Ach, wenn er sich auf Titelseiten doch nur ins rechte Licht rücken könnte!“ – Nun ja, liebe RP-ler. Da habt Ihr mal wieder falsch gelegen. Unterstellt doch Euer Martin Bewerunge dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump fälschlicherweise, daß er vergeblich versucht habe, sich auf das Titel-Blatt der Zeitschrift TIME zu „mogeln“. Beweis: ein paar Bilderrahmen in Golfklubs.  Und schon gibt es wieder eine neue Fortsetzung der langsam langweilig werdenden Trump-Blödelei.

RP vom 29.6.2017

http://www.rp-online.de/politik/donald-trump-mogelt-sich-auf-den-time-titel-aid-1.6913086

Ich lese das „renommierte  Time Magazine“ (so die Wortwahl der RP) seit vielen Jahren. Und so ist mir nicht entgangen, daß Donald Trump längst seinen Platz auf der Titelseite von TIME gefunden hatte. Ganz ohne Fake.  Daher schrieb ich wie folgt an unser Rheinisches Provinzblatt:

Sehr geehrter Herr Bewerunge,

 in Ihrem Kommentar in der RP vom Donnerstag erwecken Sie den Eindruck, daß Donald Trump vergeblich versucht habe, sich auf das Titel-Blatt des Magazins „TIME“ zu „mogeln“.

Tatsächlich hat Trump es nicht nötig, sich auf die Titelseite dieser von Ihnen als „renommiert“ bezeichneten Wochenzeitung zu „mogeln.“ Er hatte dort längst sein Titelbild. So etwa am 31.August 2015, wo ihm Michael Scherer unter dem Aufmacher „Deal with it“  (Rechnet damit) eine ganze Titelstory widmet:

Das Zeitschriftenexemplar  befindet sich in meiner Bibliothek, Sie können gerne bei mir zu Hause Einsicht nehmen.

Schade, Herr Bewerunge ist auf das Angebot nicht eingegangen. Ich frage mich nur: Ist es schlichtweg Schludrigkeit oder Absicht, wenn die RP-Macher Fake fabrizieren?

Das fragt sich

Euer Bernd

Julias missglückter Annäherungsversuch

Liebe Freunde,

es ist eine alte Angewohnheit von mir, die Zeitungen (ja, ich lese noch bedrucktes Papier) vor der Entsorgung in die blaue Tonne noch mal zu überfliegen. Und da fiel mir die traurige Geschichte eines missglückten Annäherungsversuchs ins Auge. Julia Rathcke, Redakteurin der RP, hatte im Wonnemonat Mai hübsche Bildchen von Marcus Pretzell, dem Objekt ihrer Begierde, nicht nur  fürs Poesiealbum gesammelt sondern auch noch publik gemacht:

Druckausgabe der RP vom 5.5.2017

Es war sicher mühevoll, aus einer Vielzahl von Schnappschüssen nun ausgerechnet diejenigen herauszusuchen, die den AfD-Chef von NRW möglichst fratzenhaft und unvorteilhaft aussehen lassen. In der Online-Ausgabe der RP wurde dem Betrachter zusätzlich auch das noch zugemutet:

Foto: dpa, mb kno

Quelle: http://www.rp-online.de/politik/deutschland/afd-das-sind-die-fuehrenden-koepfe-bid-1.5809617

Dem unbefangenen Leser stellt sich die Frage nach dem Informationswert solcher Bilder, zumal wenige Tage vor der Landtagswahl in NRW. Dabei wäre es für die RP so einfach gewesen, ein vernünftiges Porträt  des Spitzenkandidaten der AfD zu präsentieren:

Die Reporterin hätte einfach nur eines der zahlreichen Wahlplakate abfotografieren müssen. Ohne die Augen zu verdrehen. Schade drum.  Kein Happy End. Aber vielleicht klappt’s ja beim nächsten Annäherungsversuch.

Mehr zum Thema hier: https://rheinischeprawdaleserbriefe.wordpress.com/2017/05/05/ratten-und-rheinische-post/

 

Mut zur Lücke!

Liebe Freunde;

  Fünf neue Landtagsabgeordnete aus dem Kreis Mettmann“, so titulierte die Rheinische Post vor einigen Tagen. Ein kleiner Schönheitsfehler: Tatsächlich sind es sechs. Herbert Strotebeck, frischgebackener Landtagsabgeordneter der AfD, wohnhaft in Erkrath und damit eindeutig ein Bürger aus dem Kreis Mettmann, fällt in der Reportage der RP einfach unter den Tisch. Sein Einzug in das NRW-Parlament wird von dem vierköpfigen  Reporterteam der RP mit keinem Sterbenswörtchen erwähnt:

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/langenfeld/aus-me-im-landtag-fuenf-neulinge-berichten-aid-1.6861291

Nun fragt sich der geneigte Leser, der es besser weiß: Kann die RP zwar noch bis fünf, aber nicht mehr bis sechs zählen? Ist das etwa schon ein Kollateralschaden rot-grüner Bildungspolitik, daß Journalisten nicht über die Anzahl der Finger einer Hand hinaus addieren können? Oder war es schlichtweg Schludrigkeit? Dabei hatte uns doch Michael Bröcker, Chefredakteur des rheinländischen Provinzblattes direkt nach der Wahlnacht in seinem Leitkommentar am 15. Mai diesen Jahres versprochen: Bei der AfD werden wir im Landtag genau hinschauen.

Nun fragt man sich: Hat die Rheinische doch nicht so genau hingeschaut? Oder haben die Reporter ganz einfach „Mut zur Lücke“ bewiesen? Das wäre dann ein neues Indiz für die Zuschreibung „Lückenpresse“, eine Vokabel, die bei Betrachtern der deutschen Medienlandschaft zunehmend an Popularität gewinnt.  Schade eigentlich, hatte doch der Chefredakteur  noch kürzlich noch versprochen: Der beste Journalismus ist unparteiisch und unverdächtig:

Meine Meinung: Ich brauche gar nicht den besten Journalismus. Guter würde mir schon genügen.

 Herzliche Grüße, Euer

Bernd

Sarrazin in Hösel

An Regionalredaktion RP Ratingen

CC: Lesungsteilnehmer

 Betr.: Ihre Ausgabe am 9.Juni: Autorenlesung

 Sehr geehrter Herr Kleeberg,

 die Erwartungen an die journalistische Qualität waren nicht besonders hoch, als sich am Nachmittag des 7. Juni Ihr Kollege meldete, um bei der Autorenlesung mit Dr. Thilo Sarrazin im Haus Oberschlesien dabei sein zu dürfen. Klar, warum nicht? Wenn er Eintritt bezahlt wie jeder andere auch. Aber da fing das Quengeln schon an, er dürfe keine Karte kaufen. Man ließ ihn endlich aus Mitgefühl  herein, schließlich hatte sich der Arme extra auf den weiten Weg gemacht. Irgendwie muß er ja auch seine Brötchen verdienen. Obgleich er nicht den Eindruck vermittelte, als wenn er an Nahrungsmangel  leiden würde. Bekanntlich hat sich Thilo Sarrazin bei einer gewissen Klientel keine Freunde gemacht, als er  feststellte, dass Unterernährung das geringste Problem der Hartz-IV-Bezieher sei.

 Aber was dann abgeliefert wurde: naja. Es ist schon ein Glanzstück, eine ganze halbe Zeitungsseite über eine Bücherlesung zu schreiben, ohne den Titel des Werkes zu nennen. Von der Logik des Aufbaus und dem  Inhalt des Werkes,  über das Thilo Sarrazin ausführlich referierte, ist in dieser „Reportage“ nichts zu finden. Stattdessen das gewohnte obligatorische  AfD-Bashing und dann noch mal ein Tritt in Richtung Sarrazin. – Nicht auszuschließen, dass der entsandte Kollege den durchaus anspruchsvollen  Gedankengängen des Autors geistig gar nicht folgen konnte. – Gut möglich, dass er auf Randale innerhalb und außerhalb der Lesung gewartet hat, vielleicht auch, weil er über einen neuen Tortenwurf als erster exklusiv berichten wollte. Für Skandaljournalisten war der Ablauf des Abends sicher eine große Enttäuschung. Keine Schmierereien, keine eingeschlagenen Fensterscheiben, kein tobender Mob.

 Mag sein, dass sich Ihr Kollege schließlich  in Gesellschaft des gehobenen Höseler Publikums deplatziert vorkam: Jedenfalls wurde er beim Abschluss der Veranstaltung nicht mehr gesehen.  Schade eigentlich, denn das Schlusswort ging in Richtung Rheinische Post, deren Politredakteur Mayntz die Einladung zur Lesung  und Diskussion nicht beantwortet hatte.

 Mit freundlichen Grüßen

 Bernd Ulrich

Ratten und Rheinische Post

Volksschädling. Eine Vokabel, ein Schimpfwort aus Deutschlands dunkelster Epoche. Mitmenschen werden zu Schädlingen deklariert, gelten fortan als Ungeziefer wie Würmer, Flöhe, Wanzen, Läuse oder eben Ratten. Ratten: Diese Plagegeister gelten von jeher als besonders ekelerregend, abstoßend und gefährlich. Nicht von ungefähr bediente sich die Nazi-Propaganda mit dem Hetzfilm „Der ewige Jude“  genau dieser Bilder:

Ratten aus dem Nazi-Film „Der ewige Jude“

Dieser Film wurde 1940 gedreht und sollte die Bevölkerung einstimmen auf die bevorstehende Ausrottung der „Volksschädlinge“. Man sollte nun meinen, diese Zeiten seien längst überwunden. Mitnichten! Erst kürzlich vergriff sich ein deutsches Presseorgan, die „Rheinische Post“,  wieder ganz tief in der braunen Kiste:  Dieses Mal  wurden die AfD-Anhänger als Ratten dargestellt:  

RP-Ratte vom 29.1.2016 (Detail einer Zeichnung)

Solche Bilder sollen vor allem eins bewirken: Abstoßung, Furcht und Ekel. Diskussion? Überflüssig! Was macht man mit Ungeziefer? Richtig: Vergiften, totschlagen, ausmerzen.

Nun ist es, Gott sei es gedankt, noch nicht ganz so weit wie damals. Zwar sind AfD-Leute heutzutage allen möglichen Verunglimpfungen, Bedrohungen, Schikanen und Nachstellungen ausgesetzt. Ihre Autos werden abgefackelt, ihre Versammlungen gestört, die Häuser mit Farbe beschmiert und vereinzelt kommt es auch zu körperlichen Übergriffen.  Aber die Pogromstimmung hat noch nicht zu echten Pogromen mit Mord und Totschlag geführt. Noch nicht. Erstaunlich: Die Täter werden kaum zur Rechenschaft gezogen. Auch das erinnert an unselige Zeiten.

Nicht tot machen, aber mundtot machen, das ist das erklärte Ziel einer Medienlandschaft, die sich die AfD als Feindbild erkoren hat. Zum Abschuss freigegeben.  Nicht physisch, aber psychisch. Auch Verächtlichmachung, üble Nachrede, falsche Behauptungen, das alles gehört zum Repertoire. Viele machen mit. Die einen mehr, die anderen  weniger. Einige aus Überzeugung, andere für die Karriere,  die meisten wohl als bezahlte Schreiberlinge. Früher hieß es „Gesundes Volksempfinden“. Heute nennt sich das neudeutsch  „Mainstream“ ,  „Political Correctness“ oder schlichtweg „Kampf gegen rechts“. Die Hasstiraden pöbelnder Politiker gegen Andersdenkende mit Beschimpfungen wie Pack, Dödel, Abschaum oder Schande gießen zusätzlich Öl ins Feuer und stacheln den Mob weiter an.

Julia Rathcke von der Rheinischen Post. Von ihrem Boss, dem Herrn Chefredakteur Michael Bröcker, wurde sie auf die AfD angesetzt. Das gab er heute unumwunden zu. Wörtlich: „Deshalb habe ich vor mehr als einem Jahr eine junge Kollegin aus der Politikredaktion gebeten, sich der Partei zu nähern und zu berichten. Julia Rathcke tut dies seither.“  Und die „junge Kollegin“ hat geliefert. Die vorerst letzte Schnüffelstory erschien in der heutigen Ausgabe. Nicht ganz erfolgreich. Denn ein Interview mit der vormaligen Ehefrau des NRW-Sprechers kam nicht zustande. Und Frauke Petry habe „höhnisch gelacht“.  Die Yellow-Press lässt grüßen. Auch sonst interessierte sich die „junge Kollegin“ für die sexuelle Orientierung des AfD-Spitzenpersonals. So titelte sie kürzlich über Alice Weidel in einer RP-Schlagzeile: „Lesbisch“.

Homosexualität. Das war auch bei den Nazis ein beliebtes Thema zur Ausschaltung unliebsamer Konkurrenz.

Lassen wir es dabei bewenden.

Hier die Antwort der Rheinischen Post:

Von: Rathcke, Julia [mailto:Julia.Rathcke@rheinische-post.de] Gesendet: Samstag, 6. Mai 2017 10:33 An: Bernd Ulrich Betreff: Re: Ratten und  Rheinischen Post

Sehr geehrter Herr Ulrich,

in Sachen Nationalsozialismus haben Sie ja augenscheinlich einiges nachzuholen. Traurig, dass das immer noch so eine Bildungslücke zu sein scheint, gerade in der Generation, die es doch so viel besser wissen müsste. – Aber wie sagten Sie so schön:Jeder blamiert sich, wie er kann.

Schönes Wochenende   Rathcke Von meinem iPhone gesendet

Meine Replik, auf die ich bis heute(!) keine Antwort erhalten habe:

Sehr geehrte Frau Rathcke,

   haben Sie herzlichen Dank für Ihre Zeilen. Ein gutes Zeichen, daß Sie meinen Text zu Ende gelesen haben. Der Herr Chefredakteur (gewissenhaft, engagiert, akkurat) hat sich übrigens noch nicht gemeldet, obwohl er bei früherer Gelegenheit schon des Öfteren persönlich geantwortet hat.

 Meine Generation: Wenn Sie damit andeuten, daß ich noch ein Zeitzeuge der NS-Diktatur wäre, so muß ich Sie leider korrigieren: So alt bin ich nun wiederum auch nicht.  Es wäre übrigens durchaus interessant in einem persönlichen Gespräch herauszufinden, wer von uns beiden die profunderen Kenntnisse in Sachen europäischer Geschichte und insbesondere der Epoche von Faschismus und Nationalsozialismus hat.  Trotz meines fortgeschrittenen Alters halte ich mich durchaus noch für neugierig und lernfähig.  – Sie hatten mir bei Ihrer vorletzten Mail (Causa Reichsbürger) ein persönliches Gespräch in Aussicht gestellt. Meine Kontaktdaten  haben Sie ja. Ich bin gespannt.

 Da ich im Urlaub die RP immer erst mit einem Tag Verspätung erhalte, hatte ich die hübsche Auswahl der acht (!) Pretzell-Porträts, mit denen die Print-Ausgabe Ihres „Annäherungsversuches“  garniert war,  noch nicht zur Hand, als ich meine Zeilen niederschrieb. Bemerkenswert, ein derartiger Verriss eines  Parteichefs so kurz vor der NRW-Wahl. Ein Schelm, der böses dabei denkt.  Was ich in Ihrem Artikel vermisst habe: Die Information, daß besagtes Objekt Ihres Annäherungsversuches so ganz nebenbei  Abgeordneter im Europaparlament ist. Was macht er da, welches Arbeitspensum, welche Ausschüsse?  Schade um diese vorenthaltene Aufklärung; statt dessen wird der politisch Interessierte Leser damit abgespeist, was alles nicht in Erfahrung gebracht wurde: Vergangenes Eheleben, Alte Herren usw.  

 Apropos Reichsbürger: Was ist eigentlich daraus geworden? Ich habe gehört, daß es jetzt eine juristische Auseinandersetzung mit der RP geben soll. Schade, daß man auch darüber nichts aus Ihrem Blatt erfährt.

 Ich habe meinen Text inzwischen veröffentlicht. Googeln sie einfach nach der Kombination von „Rheinischer Post“ und „Ratten“. Dann erscheint der Beitrag auf der ersten Seite der Suchergebnisse. Über eine Like von Ihnen bei Facebook würde ich mich freuen.

 Ich wünsche Ihnen einen schöne Arbeitswoche, herzliche Grüße

 Bernd Ulrich

 

Anmerkung: Auch passend → Thema

Braune Brühe in der Rheinischen Post

Liebe Freunde,

   die CDU-affine Rheinische Post befindet sich schon seit einiger Zeit mit Vollgas im Wahlkampfmodus. Und trotzdem hat sie jüngst noch an Tempo zugelegt. Wie das? Ganz einfach, man fährt abwärts auf der schiefen Bahn. Und wie es mit dem einstigen Qualitätsblatt bergab geht, das offenbarte ein gewisser Maximilian Plück am 4. April auf Seite 2. Da greift er nämlich kräftig in die braune Soße und rührt darin herum. Unterstellt er doch der AfD, daß sie sich nicht klar genug vom „braunen Gedankengut distanziere“.

Wer ist hier „braun“?

 http://www.rp-online.de/politik/anti-afd-rezept-fehlt-aid-1.6733001

Meine Frage an Maximilian Plück: „Wo bitteschön, finden Sie braunes Gedankengut im Parteiprogramm der Alternative für Deutschland? Haben Sie Textpassagen gefunden, die aus Hitlers „Mein Kampf“ abgeschrieben wurden oder den Schriften des NS-Ideologen Alfred Rosenberg entnommen wurden?  Oder wurde aus Goebbels‘  Reden abgekupfert? Predigt etwa die AfD von einer Überlegenheit der nordischen Rasse? Fordert sie zu Pogromen gegen jüdische Mitbürger auf? Oder propagiert sie einen neuen Krieg zur Eroberung neuer Lebensräume? Woher haben sie die Vorstellung vom braunen Gedankengut? Bringen Sie bitte  Beweise für Ihre Unterstellung!“

 Der „gebürtige Münsterländer“ (so die eigene Personenbeschreibung) betätigt sich indessen als heftiger Wadenbeißer. Empfiehlt er doch allen Ernstes den deutschen Gewerkschaften, AfD-Anhänger aus ihren Reihen auszuschließen. Dabei beruft er sich auf deutsche Geschichte. Aber da hat er etwas gründlich missverstanden. Denn der  Ausschluss von Mitbürgern am öffentlichen Leben wegen Herkunft oder Gesinnung  wurde damals von Nazis propagiert und durchgesetzt. Offenbar nimmt sich Herr Plück diese Machenschaften zum Vorbild.  

 Nun könnte man solche Entgleisungen als Jugendstreich eines Jungreporters abtun, der von der Chefredaktion mit einem Augenzwinkern durchgewunken wurde. Aber so harmlos ist es nicht. Denn  durch solche Hassbotschaften werden unbedarfte Mitläufer dazu ermuntert, gewaltsam gegen AfD-Anhänger vorzugehen. Bereits jetzt ist die AfD massiven Attacken ausgesetzt: Ihre Plakate werden zerstört, Ihre Häuser und Büros beschmiert, Ihre Gastgeber bedroht und ihre Autos angezündet. Von der Gewalt gegen Sachen ist es nur ein kleiner Schritt zur Gewalt gegen Personen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann es die ersten Verletzten, schlimmstenfalls sogar Tote geben wird. Und dann hätte der Herr Plück nicht nur seine Sudeltinte, sondern richtiges Blut an den Händen. In der Juristerei nennt man so etwas „Mittelbare Täterschaft“.

 Mit freundlichen Grüßen

 Bernd Ulrich

 

Von Reichsbürgern und Giraffen

Liebe Freunde,

 kennt Ihr den?  Steht ein Mann in Düsseldorf mitten auf einer Kreuzung, schreit und fuchtelt wild mit den Armen. Nach einer Weile fragt ihn ein besorgter Passant: „Was machen Sie denn da?“ Antwort: „Ich vertreibe Giraffen.“ Darauf der verdutze Fragesteller: „Aber hier sind doch keine Giraffen!“ Da erwidert der Fuchtler: „ Ja eben, ich mache einen guten Job!“

 An dieses  Beispiel aus Dobellis Bestseller „Die Kunst des klaren Denkens“ fühlte ich mich erinnert, als mir vorgestern die auf der Titelseite der Rheinischen Post die alarmierende Nachricht ins Auge sprang:  Reichsbürger will in den Bundestag! Ein 57-jähriger AfD-Funktionär aus Gütersloh!

Rheinische Post vom 29. März 2017 (Klick zum Vergrößern)

 Na sowas! Reichsbürger sind  eine Handvoll  verpeilter Zeitgenossen, welche die Staatlichkeit der Bundesrepublik nicht anerkennen und sich als Angehörige des Deutschen Reiches von 1939 fühlen. Und folgerichtig die Zahlung von Steuern verweigern und sich Phantasieausweise ausstellen. Damit kommen diese Leute ständig mit den Gesetzen unseres Landes in Konflikt.  Reichsbürger wird man schlichtweg dadurch, daß man sich selbst persönlich zu diesem spleenigen Gedankengut bekennt.  Und so was will ausgerechnet in den Bundestag? Mit der AfD?

Eigentlich sollte es die Rheinische Post besser wissen. Sie war schließlich bei allen Wahlparteitagen der AfD in NRW mit eigenen Berichterstattern vertreten. Somit sollte es der Redaktion geläufig sein, daß jeder Kandidat der AfD nicht nur ein taufrisches polizeiliches Führungszeugnis und eine Schufa-Auskunft beibringen muß, sondern auch eine vom Finanzamt ausgestellte Unbedenklichkeitsbescheinigung derart,  daß keinerlei Steuerrückstände bestehen.  Einem  „Reichsbürger“  dürfte es ziemlich schwerfallen, diese amtlichen Persilscheine zu erhalten.  Aber was schreibt die Rheinische Post: „Er gilt als Reichsbürger, was er verneint“. Ein kompletter Widerspruch in sich. Denn „Reichsbürger“ ist nur der, der sich zu diesem Gedankengut bekennt.

Die Rheinische Post versucht Giraffen dort zu vertreiben, wo weit und breit keine sind.  Und gerät damit in Konflikt mit einschlägigen Paragraphen des Strafgesetzbuches. Das lautet es wie folgt:

§ 187Verleumdung

Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Ob das unsere RP-Redakteure Julia Rathcke und Thomas Reisner, die diese reißerische Diffamierung zu verantworten haben, zu Ende gedacht haben? Denn zwischenzeitlich scheint die Rheinische Post kalte Füße bekommen zu haben. Der inkriminierte Artikel wurde inzwischen aus dem Online-Angebot entfernt. Erstaunlich ohnehin, daß diese  Titelblattstory von Journalisten aus der zweiten und dritten Garnitur verantwortet wurde. Die jugendliche Julia Rathcke ist noch Volontärin. Thomas Reisner taucht nicht einmal im Autorenverzeichnis der RP auf: http://www.rp-online.de/autor/ Die üblichen alten Hasen der Polit-Redaktion wie Mayntz, Schröder, Hüwel oder Quadbeck wollten sich an diesem heißen Eisen offensichtlich nicht die Finger verbrennen.

Der geneigte Leser fragt sich: Was soll das ganze? Ganz einfach: Die RP befindet sich im Wahlkampfmodus. Wenn jemand behauptet, daß dieses Blatt CDU-affin ist: Damit  hat er genau ins Schwarze getroffen. Fairness? Fehlanzeige!   Und schon sammeln  sich die üblichen Verdächtigen um diesen dargebotenen Topf und versuchen darin  ihr Süppchen zu kochen. Bereits am Tag darauf gibt es in der RP die genüssliche Fortsetzung:

NRW-Politiker gegen „Reichsbürger“ auf AfD-Bundesliste   Düsseldorf.  Politiker aus NRW sind entsetzt über den „Reichsbürger“, der für die AfD in den Bundestag will. „Wenn eine Partei solche Personen auf ihrer Landesliste für den Deutschen Bundestag und dann auch noch auf den vorderen Plätzen duldet, dann ist das keine Alternative, sondern eine Schande für Deutschland“, sagte SPD-Generalsekretär André Stinka. CDU-Generalsekretär Bodo Löttgen erklärte: „Sollten sich die Vorwürfe gegen den AfD-Funktionär bestätigen, wäre das ein weiterer Beleg für die Radikalisierung der NRW-AfD.“ Ähnlich äußerte sich Verena Schäffer, innenpolitische Sprecherin der Grünen Landtagsfraktion. Die Ideologie der „Reichsbürger“ sei im Kern rechtsextremistisch. Özlem Demirel, Sprecherin der NRW-Linken: „Die AfD festigt damit ihre Verbindungen zu extrem Rechten weiter.“  

Man achte darauf, daß diese gewieften Politprofis im Konditionalsatz oder Konjunktiv  sprechen: „Wenn das so ist …. dannSollten sich die Vorwürfe bestätigen… dann“.  Damit werden juristische Fallstricke geschickt umgangen.

Das ganze wird sich als das auflösen, was es ist: Heiße Luft.  Aber wie wussten schon die alten Römer: Es bleibt immer etwas hängen. Und genau das ist der Zweck.

Mich wundert nur eins: Daß solche Journalisten sich immer noch über die Zuschreibung „Lügenpresse“ mokieren.

Dieser Leserbrief wurde nicht veröffentlicht. Aber ich erhielt am nächsten Tag postwendend eine Nachricht von der Redakteurin:

Von: Rathcke, Julia Betreff: AW: Von Reichsbürgern und Giraffen

Sehr geehrter Herr Ulrich,

vielen Dank für Ihren Leserbrief an uns. Zwei kurze Anmerkungen meinerseits dazu: Ich bin jung, aber mit knapp 30 Jahren wohl doch nicht mehr jugendlich und Volontärin auch längst nicht mehr, sondern Politikredakteurin. Zudem ist es nie die Entscheidung eines einzelnen Redakteurs/einer einzelnen Redakteurin, womit wir die Zeitung aufmachen. Was auf der Titelseite steht – und nicht nur das – geschieht immer auch in Absprache mit der Chefredaktion.

Alles weitere gerne bei Zeiten im persönlichen Gespräch.

Ein schönes Wochenende wünscht, Julia Rathcke

Ich antwortete am 2.April wie folgt:

Sehr geehrte Frau Rathke,

 haben Sie herzlichen Dank für Ihre persönliche Rückmeldung. Ihr Angebot für ein persönliches Gespräch nehme ich gerne an. Bestimmen Sie einfach Datum, Zeit und Ort. Da ich mein berufliches Dasein schon hinter mich gebracht habe, bin ich zeitlich flexibel.  

 Sehen Sie es mir bitte nach, wenn ich Sie unzutreffend als „Volontärin“ eingeordnet habe. Bei Eingabe Ihres Namens in Google erscheint auf Platz eines diese Seite: http://www.journalistenschule-ifp.de/menschen/julia-rathcke. Und da werden Sie tatsächlich als Volontärin geführt; auch das Porträt ist zweifellos „jugendlich“.

 Mir ist bewusst, daß die Aufmachung der Zeitung, insbesondere die Titelseite,  durch die Chefredaktion abgesegnet werden muß. Das exkulpiert Sie in gewisser Weise, wirft indessen ein umso schlechteres Bild auf Ihr Haus. Dabei äußerte sich  Michael Bröcker  in der Ausgabe vom 1.10.2016 anlässlich des siebzigsten  Geburtstags der Rheinischen Post noch wie folgt:  „Der beste Journalismus ist unparteiisch und unverdächtig. Aufklären, erklären, dabei bitte akkurat recherchieren, ausgewogen argumentieren. Fairness, keine Häme. Das ist unsere Haltung.“

Ich denke, hier erübrigt sich jeder weitere Kommentar.

 Ich freue mich auf Gespräch und  wünsche Ihnen einen guten Start in die Woche!

 Mit freundlichen Grüßen  Bernd Ulrich

Bis jetzt habe ich keinen Anruf erhalten.

Das Wunschdenken des Dr. Detlev Hüwel

Dr. Hüwel hat Visionen. Auch heute wieder. „Die AfD zerlegt sich selbst“, so kommentiert er heute in der Rheinischen Post. Und folgt damit genau dem Tenor, den er schon vor Wochen angeschlagen hatte. „Abwärts mit der AfD“, so artikulierte er bereits am 30. Oktober sein Wunschdenken und blieb damit seiner Linie treu. Und weiter im Text: „Wie es aussieht, hat die AfD in NRW den Zenit ihrer Popularität überschritten. Kein Wunder, denn inzwischen hat sich die lange Zeit aufgeheizte Debatte über den Zuzug von Asylbewerbern versachlicht. Das ist nicht mehr das Klima, in dem dumpfe Parolen gedeihen. Man kann nur hoffen, dass dieser „Klimawandel“ anhält, denn nötig sind nicht krude Parolen, sondern politische Entscheidungen mit Herz und Verstand“.zerlegung

 Schon Helmut Schmidt wusste: Wer Visionen hat, der soll zum Arzt gehen. Auch bei Dr. Hüwel liegt der Verdacht einer gestörten Wahrnehmung nahe. Denn sein heutiger Bericht über den Ablauf des Delegiertenparteitages vom Wochenende strotze so vor Fehlern, daß sich jemand, der persönlich dabei war, zu folgender Richtigstellung bemüßigt fühlte:

Sehr geehrter Herr Hüwel,

in Ihrem Artikel „AfD-Chef ohne Mehrheit in der Partei“ stellen Sie mehrere Behauptungen auf, welche leider falsch sind.

  1. Sie behaupten, „Mehrheit in der NRW-AfD steht nicht zur Parteiliste“. Dies ist falsch. Jeder Listenkandidat wurde mit min. 50% der Stimmen der NRW-Delegierten auf die Liste gewählt.
  2. Sie behaupten, eine Mehrheit der Delegierten habe in Rheda-Wiedenbrück dafür gestimmt, die „Parteiliste zu verwerfen und von vorne zu beginnen“. Dies ist falsch. Bei der von Ihnen angesprochenen Abstimmung ging es darum, die Tagesordnung zu erweitern (dafür wäre eine 2/3 Mehrheit notwendig gewesen). Erst mit der dann erweiterten Tagesordnung hätte überhaupt nach Aussprache über den Neuanfang der Liste abgestimmt werden können.
  3. Sie behaupten, „der Streit führte dazu, dass in Rheda-Wiedenbrück nur ein einziger Listenplatz besetzt werden konnte“. Dies ist falsch. Es wurden in Rheda-Wiedenbrück vier Plätze besetzt.
  4. Sie behaupten, Marcus Pretzell sei Vorsitzender in NRW seit 2013. Dies ist falsch. Er ist Vorsitzender seit Mitte 2014.  – Ich würde mich  freuen, wenn Sie die angesprochenen Punkte (insbesondere die ersten beiden Punkte) in der nächsten Ausgabe korrigieren.

Schauen wir mal, was uns die Druckerschwärze der RP morgen wieder präsentiert.

 

Umfragemanipulation: Die Grünen und ihre Kohle

unsere Grünen treiben es mal wieder bunt. Nein, diesmal nicht in den Farben des Regenbogens als Fahnenträger von LSBTTI.  Es geht ganz einfach um Kohle. Die Kohle.  Schwarze Kohle und Braunkohle, der unsere Grünen so gar nicht grün sein wollen.

Die schon etwas angegraute Dagegen- und Protestpartei hat ein grundsätzliches Problem: Nach Atomausstieg, Gentechnik, Dosenpfand usw. gehen  den grünen Bevormundern  allmählich die Themen aus. Zumal die noch in den Parlamenten verbliebenen Schwarz-Roten  heftig versuchen, jede  grüne Gedankenzuckung im vorauseilenden Gehorsam  zu antizipieren und für sich zu deklarieren. Da muß schon sehr laut ins Horn getutet werden um noch Aufmerksamkeit zu erzeugen.  Und so wird in schöner Regelmäßigkeit unter lautem Geschrei immer wieder eine neue Sau durchs Dorf getrieben.  Und jetzt ist  die Kohle dran. Genau der Energieträger, der unabhängig von Wind und Wetter dafür sorgt, daß der Strom immer noch zuverlässig aus der Steckdose kommt.

Was immer wieder erstaunt, ist daß sich auch seriös daherkommende Tageszeitungen wie etwa unsere Rheinische Post stets erneut vor den Propagandakarren der Ökoideologen spannen lassen. So las ich unlängst in dicken fetten Lettern als Schlagzeile:

71% Prozent der Bürger fordern raschen Braunkohleausstieg

Als Quelle muß eine Forsa-Umfrage herhalten, die vom grünen NRW-Minister Remmel mit viel Rummel  lauthals in einer Pressekonferenz unters Volk gebracht wurde. Einem auserwählten Kreis von Journalisten wird diese freudige Nachricht schon vorab verabreicht. Wichtig, damit sich diese erlauchte Runde auch besonders wichtig vorkommt . Aus dem Text:

Düsseldorf. Umweltminister Remmel wird heute eine Umfrage vorstellen, die RWE und Bayer nicht gefallen wird: 71 Prozent der Bürger fordern demnach ein rasches Ende der Braunkohle. Von Antje Höning

In Nordrhein-Westfalen wächst der Widerstand gegen Abbau und Verstromung von Braunkohle. 71 Prozent der Bürger fordern einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle: Für 36 Prozent ist dies „sehr wichtig“, für 35 Prozent „wichtig“. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) heute vorstellen wird und die unserer Redaktion vorliegt.

Quelle: http://www.rp-online.de/wirtschaft/umfrage-71-prozent-der-buerger-fordern-raschen-braunkohle-ausstieg-aid-1.6285165

Merkwürdig. Schon wieder Forsa. Das ist doch genau das Gegenteil dessen, was die vor einem Jahr herausgefunden haben wollen. Zitat:

Braunkohle ist unverzichtbar als Stabilisator für die Energieversorgung und wichtiger Wirtschaftsfaktor. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa hervor. Die Studie wurde heute vom Forsa-Chef Manfred Güllner bei der Jahrespressekonferenz der RWE Power … vorgestellt.

 Zwei Drittel aller Bundesbürger sind überzeugt, dass die Strompreise auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie einen großen Einfluss haben. 63 Prozent halten es deshalb für falsch, dass nach den Kernkraftwerken auch die Kohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen. Dadurch sehen sie die Sicherheit und Zuverlässigkeit der Energieversorgung in Deutschland gefährdet.

 „Eine große Mehrheit von 75 Prozent der Deutschen ist sich darüber im Klaren, dass neben Sonne und Wind weiterhin die herkömmlichen Energiequellen zur Stromerzeugung genutzt werden müssen. Die Braunkohle ist eine davon“.

Quelle: http://www.rwe.com/web/cms/de/2843306/rwe/presse-news/braunkohle-ist-unverzichtbar/

„Ich glaube nur der Statistik, die ich selber gefälscht habe.“ Uralt und von Winston Churchill.   Aber wie lässt sich diese Kehrtwende der Wendehälse erklären? Wessen Brot ich eß, dessen Lied ich sing? Hier als Auftraggeber die Grünen und vorher die Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätserzeuger? Wie bewerkstelligt man eine solche Kopfwende?

Eine Erklärung hat der bekannte Dortmunder Professor für Statistik und renommierte Buchautor Walter Krämer parat. In einer jüngst veröffentlichten Unstatistik des Monats erläutert er an einem ähnlichen Beispiel:

Wie man in den Wald hineinruft … Unstatistik vom 28.09.2016

Mit der richtigen Fragestellung zum Wunschergebnis: ..53 Prozent aller Bundesbürger meinen, Deutschland sollte viel mehr tun, um auch weiter Vorreiter im Klimaschutz zu sein. Und für das „schnellstmögliche“ oder „so bald wie mögliche“ Abschalten aller Kohlekraftwerke plädieren 67% der Befragten. So ein Ergebnis des britischen Meinungsforschungsinstitutes YouGov..,

Dieses Mal liegt der Missstand nicht in der Interpretation, sondern in der Art der Fragestellung. Die Antworten waren in die Fragen quasi eingebaut. Die Frage zum Klimaschutz lautete: „Beim Klimagipfel in Paris wurde 2015 ein internationales Abkommen für den Klimaschutz beschlossen. Anfang des Monats September haben die USA und China dieses Abkommen ratifiziert. Deutschland hat den Prozess noch nicht abgeschlossen und einen schwachen Klimaschutzplan für 2050 vorgelegt. Sollte Deutschland Ihrer Meinung nach mehr tun, um Vorreiter im Klimaschutz zu bleiben?“. Die Frage zu den Kohlekraftwerken lautete: „Die Stromproduktion aus Kohle allein ist die größte Einzelquelle für die deutschen Treibhausgasemissionen. Was sollte Ihrer Meinung nach mit den Kohlekraftwerken passieren?“ Derart suggestive Fragen lenken die Antworten systematisch in eine vorbestimmte Richtung. Bei neutraler Fragestellung wäre das Ergebnis wahrscheinlich anders ausgefallen. ..

In der Umfrageforschung unterscheidet man zwischen ergebnisorientierter und erkenntnisorientierter Demoskopie. ..Was immer man von Kohlekraftwerken hält, die Meinung der Öffentlichkeit dazu sollte man neutral erfassen statt zu versuchen, diese systematisch in eine bestimmte Richtung zu beeinflussen.

Hier der volle Text: http://www.rwi-essen.de/unstatistik/59/

Schauen wir uns die Remmelsche Umfrage noch einmal an: Die Frage nach dem Ausstieg der Braunkohleförderung war eine von vier vorgegebenen Möglichkeiten. Tatsächlich erreichten die drei übrigen Alternativen sogar eine höhere Zustimmung in der Wertung „sehr wichtig“ bzw. „weniger wichtig“:forsaDie Forsa-Umfrage war bereits im Juni erstellt worden. Präsentiert wurde sie von den NRW-Grünen erst im September, nach Ende der Urlaubzeit. https://www.nachhaltigkeit.nrw.de/fileadmin/download/forsa-bericht_umfrage__nachhaltigkeit_2016.pdf

Herrn Güllner von Forsa war der ganze Remmelsche Rummel dann doch peinlich. Und  so kam das Dementi. Zitat:

In der Untersuchung sei nach der Bedeutung der „Nachhaltigkeit“ und nicht danach gefragt worden, ob man einen Braunkohle-Ausstieg fordere, stellt Manfred Güllner klar: Weder fordert eine Mehrheit der Bürger in Nordrhein-Westfalen den raschen Ausstieg aus der Braunkohle, noch wächst der ,Widerstand gegen Abbau und Verstromung von Braunkohle’”.

Von der Richtigstellung unbeeindruckt, präsentieren die Rheinische Post und der WDR ihre eigenen Versionen: Überschrift Rheinische Post (RP): “Mehrheit fordert raschen Braunkohle-Ausstieg”

Der Artikel der Rheinischen Post sei “ein weiteres unrühmliches Beispiel dafür, wie Befindlichkeiten von Menschen trotz vorliegender Informationen völlig verzerrt dargestellt werden”, sagt Güllner.

Aus: http://ruhrkultour.de/braunkohle-ergebnisse-der-forsa-umfrage-ueber-nachhaltigkeit-in-nordrhein-westfalen-verzerrt/

Dieses Dementi wurde von der RP nicht mehr veröffentlicht.

Lückenpresse, Lügenpresse, oder was?  Das mag jeder für sich entscheiden.

Kolumne Mit Verlaub! Reinhold Michels am 7.10.

waffenscheinSehr geehrter Herr Michels,

 ihrer Diagnose: „Unsere Narreteien sind Rasen und Drängeln“ unter der Überschrift „Führerschein = Waffenschein“   kann ich nicht zustimmen und will das näher begründen:

 Seit 1968 bin ich Führerscheinbesitzer für Auto und Motorrad. Bedingt durch berufliche Tätigkeit mit vielen Außenterminen habe ich bis heute annähernd 2 Mio. Kilometer  zurückgelegt. In den letzten zwanzig Jahren waren es durchweg gut motorisierte Dienstwagen. Von daher maße ich mir eine gewisse Kompetenz zur Beurteilung der Situation an.

 Tatsächlich haben sich, von wenigen Ausnahmen abgesehen, die Sitten auf deutschen Straßen in den letzten Jahrzehnten deutlich verbessert. Bis etwa Anfang der achtziger Jahre herrschte tatsächlich so etwas wie Rodeo per Lichthupe auf den Autobahnen. Wettrennen waren an der Tagesordnung. Man wollte ausprobieren, wer denn nun der schnellere ist: Opel Manta, Opel Commodore, Ford Capri, BMW 1800ti, um nur einige zu nennen.  Reiche Leute fuhren schnelle Auto, Otto Normalo zuckelte hingegen  im VW oder im Opel Kadett gemächlich über die Fahrbahn dahin.  Soziale Differenzierung erfolgte über die erreichbare Höchstgeschwindigkeit auf der Autobahn. Nur folgerichtig, daß dann die SPD ein allgemeines Tempolimit forderte. Vordergründig mit den Argument der Verkehrssicherheit, tatsächlich natürlich zur Triebbefriedigung des Sozialneides auf die schnellen Reichen.  Zu dumm für die Genossen, daß schon damals aus der Statistik ablesbar war, daß die meisten tödlichen Unfälle auf geschwindigkeitsbeschränkten Straßen passieren. Und so gab es denn 1978 als Kompromiss die „Richtgeschwindigkeit“ von 130 km/h. Das war eine Empfehlung und keine verbindliche Vorgabe.

 Mitte der Achtziger hatte sich das Bild gewandelt: Die Autos waren dank Windkanal, obenliegender Nockenwellen, Vierventiltechnik  usw. deutlich schneller geworden. Mit einem Golf GTI oder Kadett GSI konnte sich nun jeder Maurerlehrling einen fahrbaren Untersatz  mit Höchstgeschwindigkeiten  jenseits von 200 km/h leisten.  Tempo war nicht länger eine Frage des Sozialstatus.  Niemand brauchte dem anderen mehr etwas zu beweisen; die Rennen verloren ihren Reiz und wurden somit seltener.

 Natürlich gibt es auch heute noch Zeitgenossen, welche die deutsche Autobahn mit einem Motodrom verwechseln. Etwa BMW M5  gegen Porsche oder Ferrari gegen Audi RS8.  Aber das Kräftemessen per PS ist seltener  geworden. Warum auch? Über 20% der auf Deutschlands Straßen neu zugelassenen PKW erreichen eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h und sind abgeregelt.

 Dichtes Auffahren, Blinker setzen und Lichthupe: Diese Unsitten haben deutlich nachgelassen und werden zu Recht von Polizei und Gerichten als Nötigung streng geahndet. ES gibt aber auch bedenkliche Entwicklungen: Z.B. die wachsende Zahl rasender Kleintransporter, die mit 180 km/h über die Autobahn fegen. Am Steuer zumeist junge Männer mit wenig Hirn und umso mehr Testosteron.  

 Zu guter Letzt: Trotz fortschreitender Motorisierung ist die Zahl der Verkehrstoten auf Deutschland Straßen kontinuierlich gesunken. Von über zwanzigtausend  Anfang der Siebziger bis auf etwa viertausend heutzutage. Das ist ein Rückgang um 80%. Ein schöner Erfolg, den wir zum einen dem Fortschritt der Medizin und Technik, aber auch dem veränderten Fahrverhalten zu verdanken haben.

 Noch ein Wort zu den zitierten Amerikanern: Unsere Kollegen aus den USA bekamen regelmäßig beim ersten Mal Schweißausbrüche, wenn wir sie von Flieger abholten und dann mit gewohnten deutschen Autobahntempo zur Firmenzentrale chauffierten. Der Schreck hielt allerdings nicht lange an: Für den Wochenendausflug in Germany besorgte man sich dann selber einen Mietwagen, um dann das Gefühl auszukosten ,wie es sich am Steuer jenseits der  in den USA erlaubten 120 km/h (=75 Meilen) anfühlt.  Die Eingewöhnung erfolgte dann sehr schnell.

 Mit freundlichen Grüßen

 Bernd Ulrich