Lebewohl, Michael Bröcker!

Chefredakteur Michael Bröcker verläßt die Rheinische Post. Das veranlasst mich zu einem Abschiedsgruß:

Sehr geehrter Herr Bröcker,

mit Interesse habe ich die Nachricht aufgenommen, daß Sie den Sessel bei der Rheinischen Post räumen werden. Ob damit eine Verbesserung für das Blatt eintreten wird, das  muß die Zukunft zeigen. Es wäre geheuchelt, wenn ich anlässlich Ihres Abschieds eine Träne nachweinen würde. Indessen verdanken wir Ihnen einen der besten Kalauer, den die Journalistik je hervorgebracht hat. Ich zitiere ihn nochmal an dieser Stelle, weil er einfach so köstlich war aus Ihrer Feder:

Der beste Journalismus ist unparteiisch und unverdächtig. Aufklären, erklären, dabei akkurat recherchieren, ausgewogen argumentieren. Fairness, keine Häme. Das ist unsere Haltung

Ein echter Schenkelklopfer, ausgerechnet von Ihnen als Chefredakteur der Rheinischen Post. – Das war 2016, dem Jubiläumsjahr des deutschen Reinheitsgebotes. Ein Jahr später wurde dann in unserem privaten Haushalt auf die Fortführung des Print-Abos der RP, die wir über ein Jahrzehnt bezogen haben, verzichtet. Nicht etwa wegen Mangel im Portemonnaie. Wir geben alljährlich einen hübschen vierstelligen Eurobetrag für Zeitungen und Zeitschriften aus. Es war vielmehr die die Selbstachtung, die mich veranlasste, ein Blatt, das mich und meinesgleichen regelmäßig als Extremisten und Rassisten verunglimpft, nicht weiterhin jährlich mit einigen hundert Euro zu alimentieren.  Zudem hatte Klaus Kelle, dessen Kolumne in lang vergangenen Zeiten für manch Unverdauliches in Ihrer Postille entschädigt hatte, schon längst seinen regelmäßigen Platz als Feigenblatt  in Ihren Druckspalten  verloren.

Noch letztes schrieben sie: „In Wahrheit lehnt die AfD die Pressevielfalt ab, kritische Fragen sowieso“.  Blödsinn, denn genau das Gegenteil ist richtig. Mehr Meinungsvielfalt im deutschen Blätterwald tut not.

Nach  den Landtagswahlen vor drei Wochen schäumten Sie dann in der allmorgendlichen Botschaft gegen die erstarkte Opposition : „in der Funktionäre offen gegen Fremde polemisieren, das Dritte Reich verharmlosen und ihren Hass auf die Eliten in Politik und Medien kultivieren“.

Was unsere Gefühlslage auf die selbsternannten „Eliten“ in Politik und Medien angeht: Da liegen Sie falsch. Es ist beileibe kein Hass, der uns bewegt. Nein, es ist vielmehr schlichtweg Verachtung. Eine  Verachtung gegenüber jenen Politikern, die zum Zwecke des Machterhalts und um ihres persönlichen Vorteils willen uns alle für dumm verkaufen wollen. Ihre willfährigen, liebdienernden Medienlakaien und Hofberichterstatter sind dabei eingeschlossen.

Für Ihre neue Aufgabe wünsche ich Ihnen alles Gute! Ich verkneife mir ein „Auf Wiedersehen“ und verbleibe mit dem Grußwort Lebewohl!

 Bernd Ulrich