Die Humorseite der RP: Wahlplakate

Humor ist am schönsten, wenn er unfreiwillig ist.

 Diese alte Lebensweisheit kam mir in den Sinn, als ich gestern die ganzseitige „Expertenkritik“  an den Wahlplakaten der Parteien in unserer vertrauten Rheinischen Post vorgesetzt bekam. Tatsächlich fand ich mein Konterfei im  letzten Absatz wieder, direkt neben dem Kandidaten der Linken. Was soll’s, ich bin da schmerzfrei und ohne Berührungsängste.

Aber dann der Kommentar der „Experten“ zu meinem Plakat:   „…unvorteilhafte, schmutzige und fehlerhaft wirkende Mischfarben….Jedoch besitzt das Plakat zu viele zusätzliche Informationselemente“. Okay, die drei Schlagworte „Sicherheit. Recht. Ordnung.“  beinhalten nach Einschätzung der Kritiker bereits ein Zuviel an Information.  Hingegen wird das Plakat der FDP mit der ellenlangen Litanei, die manch biblischen Psalm an Wortreichtum noch übertrifft, belobigt: „Das FDP-Plakat ist technisch sehr gut gemacht … Die Plakat-Elemente Partei, Kandidatin und Botschaft sind gut angeordnet“.  Na sowas. Damit Autofahrer den Text wirklich aufnehmen, bedarf es nicht nur einer sehr langen Verweildauer im Stau oder vor der Ampel, sondern auch eines scharf gestellten Fernglases, das nicht jedermann im Handschuhfach mit sich führt.

Der Headline der Kandidatin Pannes lautet: „Echt. Jetzt.“ Nanu, denkt sich der unbefangene Medienkonsument, wie ist das zu deuten? Hat die freidemokratische Frau etwa unechtes bisher vorgetäuscht und gelobt ab  jetzt Besserung? Selbst der „Experte“  hat da seine Assoziationen und schreibt dazu: „Die Headline ist kurz und prägnant, besitzt durch ihre Doppeldeutigkeit Originalität und Merkfähigkeit“.

Zurück zu mir. Da urteilt der Kunstkritiker über mein Design: .. Zudem ist die Deutschlandflagge bei der CDU ein durchgängiges Element und dadurch für einen klar abgrenzenden Auftritt (Anm.: In meinem Plakat) nur bedingt tauglich.“   Die CDU und Deutschlandflagge? Da denkt doch jeder an die  legendäre Szene, in der die Kanzlerin ihren Generalsekretär maßregelt:  Wie eine Mutti, die ihren Knaben bei einer unanständigen Handlung ertappt hat. Mimik und Blick der Kanzlerin sprechen Bände: „Nein, sowas tut man nicht. Erst recht nicht in aller Öffentlichkeit, wo es jeder sehen kann“. Dabei diente die  Handbewegung des derart bloß Gestellten nur dem kleine Deutschlandfähnchen, das Gröhe fröhlich schwenken wollte.  Schwups, weg war es. Entsorgt von Merkel. Und weil die Sechs-Sekunden-Szene so schön ist, hier nochmal:

 http://www.free-xpress.de/index.php/component/content/article?id=302:video-merkel-entfernt-deutschlandfahne

 Die kurze Sequenz ist so bezeichnend, daß sie auch im Bestseller „Die Getriebenen“ von Robin Alexander Eingang gefunden hat.

 Zum schweren Job der Kritiker: Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, auch bei Wahlplakaten. Der eine hält das unrasierte Schwarz-weiß von Christian Lindner für einen echten Hingucker, ein anderer für ein Fahndungsfoto.

 Ich frage mich des Öfteren, wie so mancher Zeitgenosse zu seinen höheren Weihen als  „Experte“ mutiert. Vermutlich durch eine Schulung als Rehabilitationsmaßnahme eines Jobcenters,  mit denen Langzeitarbeitslose wieder vermittelbar werden sollen. Was soll’s,  das Honorar der RP sei ihnen gegönnt. Immerhin reichte es für eine ganze Seite.

 Und hier nun das volle Lesevergnügen:

 http://www.rp-online.de/nrw/staedte/mettmann/experten-bewerten-wahlplakate-aid-1.7029245

 Herzliche Grüße, Ihr

 Bernd Ulrich

 

Autor: hansberndulrich

born 1950, university degree in mathematics, physics. Interested in all topics of natural science, history, politics and economics

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